Regelmäßig erhalten wir Anfragen von Unternehmen, die nach Alternativen zu Jira oder anderen Cloud-Lösungen suchen: Single Sign-On, ERP-Integration, Portfolio-Management, Workflow-Automatisierung. Erfahre in diesem Artikel, welche Funktionen Redmine abdeckt und wo Alternativen oder Kompromisse nötig sind.
Der typische Enterprise-Anforderungskatalog
Anforderungskataloge für Projektmanagement Software folgen in der Regel einem erkennbaren Muster. Einer Kombination aus Basis-Funktionalitäten mit spezifischen Anforderungen aus der Unternehmensrealität.
Zu den Schwerpunkten gehören folgende Bereiche:
Authentifizierung und Zugriffskontrolle
Single Sign-On mit SAML oder OAuth, Integration in Active Directory, rollenbasierte Berechtigungen auf Projekt- und Objektebene, Audit-Logs für Compliance.
Projektmanagement-Methoden
Support für klassische (Gantt, Meilensteine) und agile Methoden (Kanban, Scrum), Portfolio-Sicht über mehrere Projekte, Ressourcenplanung und Kapazitätsmanagement.
Automatisierung und Workflows
Konfigurierbare Status-Änderungen, Event-basierte Automatisierungen, Integration mit anderen Tools, automatische E-Mail Benachrichtigungen und Eskalationen.
Reporting und Dashboards
Individuelle Dashboards pro Rolle, Export-Funktionen für Management-Reporting, KPI-Tracking, Burndown- und Velocity-Charts für agile Teams.
Integration und Datenmanagement
REST-APIs für Systemintegration, Anbindung an ERP-Systeme, Versionsverwaltung für Code, zentrale Wissensdatenbank mit Versionierung.
Redmine Core liefert eine solide Basis für 60% der Anforderungen
Redmine bringt in der Standardinstallation bereits mehr mit, als viele vermuten würden. Die Core-Installation deckt die folgenden Bereiche ab:
- Projektmanagement: Gantt-Diagramme, Roadmaps, Meilensteine, Issue-Tracking mit flexiblen Tracker-Typen umd Workflows, Ticketbeziehungen, Zeiterfassung zu Tickets mit Aufwandsschätzung
- Berechtigungen: Granulares Rollen- und Rechtekonzept auf Projekt- und Modul-Ebene, LDAP/Active Directory-Integration, öffentliche und private Projekte / Unterprojekte.
- Kollaboration: Einfaches Wiki mit Versionierung, Dokumentenmanagement, Forum, News-System, Activity-Stream für Projekt-Tätigkeiten (global & projektbezogen).
- Integration: REST-API, Repository-Browser für Git/SVN/Mercurial, E-Mail-Integration (Ticket-Erstellung per Mail), benutzerdefinierte Felder für beliebige Datenstrukturen.
Das sind mehr Basis-Features als bei manch anderer Software dieser Art, aber für die üblichen Enterprise-Anforderungen fehlen trotzdem einige kritische Komponenten.
Redmine Core vs. Jira - Funktionsvergleich
| Funktion | Redmine Core | Jira |
|---|---|---|
| Vorgangstypen | ✓ Flexible Tracker-Typen | ✓ Flexible Issue Types |
| Workflow-Konfiguration | ✓ Matrix-basiert konfigurierbar | ✓ Visueller Workflow-Designer |
| Benutzerdefinierte Felder | ✓ Alle Feldtypen | ✓ Alle Feldtypen |
| Gantt-Diagramme | ✓ Integriert | △ Nur als Timeline (Cloud) oder Plugin |
| Kanban-Board | ✗ Per Plugin | ✓ Integriert |
| Scrum-Board | ✗ Per Plugin | ✓ Integriert |
| Zeiterfassung | ✓ Integriert | △ Basis integriert, erweitert per Plugin (Tempo) |
| Wiki | ✓ Integriert (Textile/Markdown) | ✗ Nur über Confluence (separates Produkt) |
| Forum | ✓ Integriert | ✗ Nicht verfügbar |
| Repository-Integration | ✓ Integrierter Browser (Git, SVN, Mercurial) | △ Anbindung an GitHub, GitLab, Bitbucket |
| REST-API | ✓ Vollständig | ✓ Vollständig |
| LDAP/AD-Integration | ✓ Integriert | ✓ Integriert |
| SAML/SSO | ✗ Per Plugin | ✓ Integriert (Cloud/DC) |
| Rollen & Rechte | ✓ Granular pro Projekt und Rolle | ✓ Granular per Permission Schemes |
| Projekthierarchie | ✓ Unbegrenzte Verschachtelung | ✗ Keine Projekthierarchie |
| E-Mail-zu-Ticket | ✓ Integriert | ✓ Integriert |
| Dashboards | △ Einfache Startseite (My Page) | ✓ Konfigurierbare Dashboards |
| Reporting | △ Einfache Reports und Filter | ✓ Erweiterte Abfragesprache (JQL) und Filter |
| Automatisierung | ✗ Per Plugin | ✓ Integriert (Cloud) |
| On-Premise | ✓ Open Source, keine Lizenzgebühren | △ Nur Data Center (ab ca. 42.000 $/Jahr) |
| Lizenzmodell | ✓ Open Source (GPL), keine Nutzerlimits | ✗ Pro Benutzer/Monat |
| Self-Hosting | ✓ Volle Kontrolle | △ Nur Data Center (Server seit 2024 eingestellt) |
| Legende: ✓ = Integriert | △ = Eingeschränkt/Zusatzkosten | ✗ = Nicht verfügbar |
Plugins schließen die Lücke: Von 60% auf 85%
Hier muss man dann gezielt mit Plugins arbeiten, um die meisten Enterprise-Anforderungen abdecken zu können. Hier eine Auswahl:
SAML Plugin: Single Sign-On über SAML2-kompatible Identity Provider. Kritisch für Unternehmen mit zentraler Authentifizierungs-Infrastruktur.
Reporting Plugin: Professionelle Dashboards, interaktive Diagramme, Burndown-Charts, Flexible Taskboards (Drag & Drop Support), Portfolio-Übersichten, erweiterte Filter- und Aggregationsfunktionen, SLA-Management via Ticket-Priorität. Damit wird Redmine vom reinen PM-Tool zum Schweizer Taschenmesser für Projektmanager und Entscheider mit zusätzlichen Berichten und Auswertungen.
Automation Plugin: Event-basierte Workflows, automatische Ticket-Updates, Eskalationen bei SLA-Verstößen und vieles mehr. Der Automation Bot ist ein unermüdlicher Helfer für die Automatisierung regelmäßiger Routineaufgaben.
WikiGuide Plugin: Macht aus der Basis Wiki eine strukturierte Wissensdatenbank mit Live-Search, Filterfunktionen, Freigabeworkflows, Makros für dynamische Inhalte und einiges mehr.
HRM Plugin: Für eine realistische Ressourcenplanung mit der Möglichkeit zur Abwesenheitsverwaltung (Urlaub, Krankheit, etc.). Hilft bei der langfristigen Planung von Projektarbeiten.
ServiceDesk Plugin: Generiert aus eingehenden Kunden E-Mails Helpdesk-Tickets - für eine Bi-Direktionale Kommunikation, mit Kundenzufriedenheits-Ratings und Kontaktverwaltung.
DevOps Plugin: CI/CD-Integration, erweiterte Repository-Funktionen, automatische Ticket-Updates bei Commits. Zentralisiert Informationen aus externen DevOps Tools (Hetzner, GitLab, GitHub etc.) direkt in Redmine.
Mit dieser Plugin-Kombination liegt die Abdeckung realistisch bei 85% eines typischen Enterprise-Katalogs.
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Und was ist mit den restlichen 15%?
- Microsoft-Ökosystem-Integration (Sharepoint & Co): Für produktive Umgebungen arbeitet Redmine stabiler mit Attachments statt Live-Dokumenten.
- ERP-Direktintegration: SAP, Oracle oder Dynamics lassen sich über die REST-API anbinden.
- Real-time Collaboration: Echtzeit-Ko-Editierung im Wiki, wie in Confluence oder Notion, gibt es in Redmine nicht. Community-Plugins dafür sind experimentell und für Enterprise-Einsatz nicht ausgereift genug.
- Der entscheidende Unterschied: Wir konzentrieren uns auf Plugin-Kombinationen, die wir langfristig supporten und warten können. Community-Plugins mit unregelmäßigen Updates passen nicht in ein professionelles Managed-Hosting-Konzept.
Wann ist Redmine die richtige Wahl?
Die Entscheidung hängt von vier Faktoren ab:
- Datensouveränität: On-Premise oder in deutschem Rechenzentrum mit voller Kontrolle über Daten, Backups und Zugriffsrechte. Kritisch für DSGVO-sensible Branchen oder Unternehmen mit Compliance-Anforderungen.
- Kostenstruktur: Kein benutzerbasiertes Lizenzmodell, keine Vendor Lock-in-Effekte, planbare TCO.
- Offenheit für Open Source: Open Source bedeutet jederzeit Einblick in den Code und auch Anpassbarkeit ohne Abhängigkeit vom Hersteller.
- Betriebsmodell: Managed Hosting kombiniert die Vorteile von On-Premise (Datenkontrolle, Stabilität) mit SaaS-Komfort (keine eigene IT-Infrastruktur nötig). Du entscheidest: Self-Hosted oder professionell betreut.
Return on Investment (ROI): Redmine vs. kommerzielle Alternativen
Ein wichtiger Faktor bei der Entscheidung für eine Enterprise-Projektmanagement-Lösung sind bei vielen Unternehmen übrigens auch die Gesamtkosten über einen längeren Zeitraum.
Der ROI bei einer Migration zu Redmine kann oft bereits nach wenigen Monaten erreicht sein – abhängig von Migrationskomplexität und notwendigen Anpassungen für funktionale Unterschiede. Die größten Einsparungen entstehen in der Regel durch den Wegfall nutzerbasierter Lizenzkosten.
Was du berücksichtigen solltest sind:
- Funktionale Unterschiede: Kommerzielle Lösungen bieten teilweise spezialisierte Features die in Redmine anders oder über Plugins abgebildet werden müssen
- Migrationsaufwand: Der tatsächliche Migrationsaufwand hängt stark von der Komplexität deines bestehenden Systems ab (Custom Fields, Workflows, Integrationen)
- Langfristige Strategie: Redmine eignet sich besonders dann, wenn du langfristig Kontrolle über deine Daten und Kosten behalten willst
Daher sollte die Entscheidung nicht allein auf Kostenbasis getroffen werden, sondern auch die funktionalen Anforderungen deines Unternehmens berücksichtigen.
Unser Fazit
Redmine bietet erhebliche Kostenvorteile gegenüber kommerziellen Cloud-Lösungen. Selbst wenn die Funktionsabdeckung nicht 100% entspricht. Man muss nicht zwingend für alles ein Plugin verwenden. Natürlich machen Plugins Sinn, aber nur dann, wenn sie regelmäßig gepflegt und auch noch in fünf Jahren stabil weiter entwickelt werden. Nur dann ist sicher gestellt, dass sie mit der jeweils aktuellen Redmine Version kompatibel bleiben.
Unser Managed Hosting liefert genau das:
- Professionell konfigurierte Redmine-Instanzen mit Enterprise-Plugins,
- regelmäßigen Updates und deutschem Support.
- Von R30 für kleine Teams über R100 für wachsende Unternehmen bis zum InHouse-Angebot für höchste Compliance-Anforderungen.
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