Gantt-Charts gehören zu den häufigsten Anforderungen in Redmine-Projekten. Dabei zeigt sich oft: Die gewünschten Funktionen lassen sich besser über andere Tools abbilden. In diesem Beitrag klären wir, welche Funktionen du tatsächlich benötigst.
Die drei häufigsten Missverständnisse
Missverständnis 1: “Wir brauchen Gantt für die Jahresplanung mit der Geschäftsführung”
Du planst mit der Geschäftsführung das kommende Jahr und willst zeigen, welche Projekte parallel laufen. Gantt-Charts sind zu detailliert für Management-Überblicke – sie zeigen primär Task-Ebene statt Portfolio-Perspektive.
Was du eigentlich brauchst: Eine Roadmap-Visualisierung, die alle deine Projekte gleichzeitig auf einer Zeitachse zeigt. So siehst du und die Geschäftsführung auf einen Blick, wo sich kritische Phasen überschneiden und wo Ressourcen knapp werden könnten.

Missverständnis 2: “Wir brauchen Gantt für eine moderne, zeitliche Darstellung”
Die Standard-Gantt-Ansicht in Redmine wirkt auf viele Anwender oft nicht “Sexy” genug. Aber das bedeutet nicht, dass ein externes Gantt-Plugin die einzige Lösung ist – besonders wenn deine Teams keine komplexen Abhängigkeiten zwischen Tickets pflegen.
Was du eigentlich brauchst: Eine visuelle Darstellung von Projekt-Timelines und Meilensteinen. Gantt-Charts sind primär für die Verwaltung von Task-Abhängigkeiten konzipiert – ohne diese Anforderung genügen schlankere Lösungen.

Missverständnis 3: “Wir brauchen Gantt um zu sehen, ob wir im Zeitplan liegen”
Gantt-Charts zeigen dir Soll- und Ist-Termine. Aber sie zeigen dir nicht den Trend: Kommen wir voran? Werden wir das Ziel erreichen? Müssen wir zusätzliche Ressourcen anfordern?
Was du eigentlich brauchst: Eine Fortschrittskontrolle mit Trendanalyse. Du willst nicht nur sehen “Ticket X endet am 15. März”, sondern “Bei unserem aktuellen Tempo schaffen wir es nicht bis zum 15. März – wir müssen jetzt reagieren.”

Was Gantt wirklich kann – und was nicht
Bevor du dich für ein Tool entscheidest mach dich schlau: Was ist die eigentliche Stärke von Gantt-Charts?
Gantt ist perfekt für:
- Zeitbasierte Abhängigkeiten zwischen Aufgaben
- “Was passiert, wenn ich Termin X verschiebe?”-Szenarien
- Kritische Pfad-Analyse bei sequenziellen Projekten
- Bauvorhaben oder Anlagenbau (Fundament → Mauern → Dach)
Gantt ist problematisch für:
- Portfolio-Überblick über viele Projekte
- Agile Teams mit Sprints
- Jahresplanung mit der Geschäftsführung
- Teams, die Abhängigkeiten nicht aktiv pflegen
- Projekte, in denen Teams parallel (nicht sequenziell) arbeiten
Der schnelle Vergleich: Was brauchst du wirklich?
| Anforderung | Gantt-Chart | Roadmap + Burndown | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| Quartalsplanung mit Geschäftsführung | Nur ein Projekt sichtbar, zu detailliert | Alle Projekte auf Zeitachse, Management-tauglich | Roadmap |
| Fortschrittskontrolle mit Trend | Zeigt Soll/Ist, keine Trendanalyse | Burndown zeigt Trend und Prognose | Burndown |
| Ticket-Abhängigkeiten darstellen | Pfeile auf Zeitachse | Grafik in Ticketliste | Beide können es |
| Termin verschieben und Auswirkungen sehen | Ja, automatische Neuberechnung | Nein, keine zeitbasierte Simulation | Gantt |
| Tool-Akzeptanz im Team | Komplex, viele lehnen es ab | Intuitiv, wird eher genutzt | Roadmap + Burndown |
| Klein- und Großprojekte einheitlich | Zu komplex für kleine Projekte | Funktioniert für beide gleich | Roadmap + Burndown |
| Parallele Projekte im Blick | Nur Einzelprojekt-Ansicht | Portfolio-Überblick über alle | Roadmap |
| Sequenzielle Hardware-Abhängigkeiten | Ja, mit kritischem Pfad | Nur Abhängigkeits-Visualisierung | Gantt |
Die Entscheidungshilfe: Drei Fragen
Bevor du nach Gantt fragst, stell dir drei Fragen:
Frage 1: Arbeiten deine Teams eher parallel oder sequenziell?
Wenn mehrere Projekte gleichzeitig laufen und die Teams weitgehend unabhängig voneinander arbeiten → Du brauchst Portfolio-Überblick, nicht Gantt.
Wenn ein Schritt streng nach dem anderen kommt und Verzögerungen sich auf den gesamten Zeitplan auswirken → Gantt könnte passen.
Frage 2: Stellst du regelmäßig die Frage “Was passiert zeitlich, wenn ich Task X verschiebe?”
Wenn ja → Gantt macht Sinn.
Wenn du eher fragst “Schaffen wir das bis Deadline?” oder “Welche Projekte überschneiden sich im März?” → Du brauchst Roadmap und Burndown.
Frage 3: Wie wichtig ist dir Tool-Akzeptanz im Team?
Wenn dein Team Redmine bereits unregelmäßig pflegt, verschärft ein komplexes Gantt-Tool dieses Problem. Ein einfacheres Tool mit hoher Akzeptanz ist wertvoller als eine mächtige Lösung, die nicht konsequent genutzt wird.
Das Reporting Plugin als praktische Alternative
Die gute Nachricht: Viele Redmine-Installationen haben bereits eine Alternative zum Gantt-Chart installiert – das Reporting Plugin. Es bietet genau die Funktionen, die in den meisten Fällen gemeint sind, wenn jemand nach Gantt fragt:
- Roadmap-Visualisierung für Portfolio-Überblick und zeitlicher Planung (z.B. Jahresplanung)
- Burndown Charts für Fortschrittskontrolle und Trendanalyse (Projektburndown oder Versionsburndown)
- Dashboard-Integration für schnellen Überblick ohne Klickmarathon (auch nur Rollenbezogen nutzbar -> Management)
- Ticketabhängigkeiten-Visualisierung in der Ticketliste (verschiedene Darstellungsgrafiken möglich)
- Drag & Drop Taskboard für Status-Änderungen und visuelle Workflow-Darstellung
Der entscheidende Unterschied: Diese Tools sind einfach genug, dass sie auch von Personen ohne PM-Hintergrund verstanden werden. Die Geschäftsführung versteht die Roadmap auf Anhieb. Entwickler sehen im Burndown sofort, ob sie im Plan liegen.
Fazit: Frag dich zuerst “Warum?”
Bevor du Zeit in die Suche nach einem Gantt-Plugin investierst, mach den Selbst-Check:
- Brauche ich wirklich zeitbasierte Abhängigkeiten mit automatischer Neuberechnung?
- Oder brauche ich eigentlich einen besseren Überblick über mein Portfolio?
- Will ich Fortschrittskontrolle mit Trendanalyse?
- Ist mir wichtig, dass auch Nicht-Projektmanager das Tool verstehen?
In 70 Prozent der Fälle stellt sich heraus: Du brauchst kein Gantt-Chart, sondern eine Kombination aus Roadmap, Burndown und Dashboard. Diese Tools sind in vielen Fällen bereits vorhanden, einfacher zu nutzen und werden vom Team eher akzeptiert.
Mehr Details zu den Reporting-Funktionen findest du in unserem Artikel: Projektplanung in Redmine
Alle Informationen zu unseren Erweiterungen für Redmine gibt es auf der Produktseite. Das kostenpflichtige Reporting Plugin gibt es einzeln oder als Teil unseres Business-Class Bundle, sowie dem Enterprise+ Bundle. Die hier beschriebene Funktion kann in unserer Online-Demo ausgiebig getestet werden.