Durch die Einführung von Scrum im Unternehmen erhält dieses eine sehr gute Möglichkeit zu erkennen, in welchen Unternehmensbereichen etwas geändert werden muss.

Sobald sich eine Firma für agile Prozessmethoden wie Scrum entscheidet, gilt es die wichtigen Rollen wie ScrumMaster oder Product Owner richtig zu besetzen. Der ScrumMaster ist neben dem Product Owner und dem Entwicklungsteam für das Gelingen von Scrum von zentraler Bedeutung.

In diesem Artikel erfahrt ihr etwas über die Aufgaben des ScrumMaster, seine Rolle im Scrum Team, seine 5 Ziele und mögliche Probleme auf die er stoßen kann.

Der ScrumMaster im Scrum Team

Der ScrumMaster ist dafür da die Produktivität des gesamten Scrum Teams sicher zu stellen und (wenn möglich) zu steigern. Die Betonung liegt hier auf gesamt. Der Fokus liegt also nicht nur, wie allgemein gerne angenommen, auf dem Entwicklerteam. Er überwacht und fördert den gesamten Scrum Prozess, was sich letztlich auf die Leistung auswirkt. Viele Unternehmen sind der Meinung, dass die Aufgabe eines ScrumMasters von jemandem aus dem Entwicklerteam oder Unternehmen einfach mal so nebenbei erledigt werden kann. Der Hauptgrund für diese Annahme ist häufig der Gedanke Kosten zu sparen. Viele wissen nicht so recht, was ein ScrumMaster den ganzen Tag über eigentlich tut? Der Job eines ScrumMaster beinhaltet mehr, als einfach nur das Daily Scrum Meeting zu führen. Was genau die ScrumMaster Tätigkeiten sind, zeige ich im folgenden Abschnitt auf. Ich hoffe dass allein schon aufgrund einiger hier genannter Aufgaben und benötigter Fähigkeiten schnell klar wird, dass ein ScrumMaster definitiv kein 0815-Job sein kann.

5 Ziele des ScrumMasters

Oberste Priorität des ScrumMasters sollten die folgenden fünf Ziele haben:

  1. Dem Team einen klaren Fokus verschaffen: das Sprintziel, die Sprintdauer und das Endprodukt sollten stets im Auge behalten werden.
  2. Impediments (Hindernisse) vermeiden: erkennen, beseitigen und bei Bedarf eskalieren.
  3. Das Team dazu befähigen / unterstützen den ScrumProzess einzuhalten, sich selbst zu organisieren und mit den Tools zu arbeiten: die jeweiligen Aufgaben zu erfüllen, Verantwortung zu übernehmen, das Team-Board und den Burn Down Chart zu aktualisieren, Probleme zu lösen und Entscheidungen zu treffen.
  4. Das Team vor störenden Einflüssen zu beschützen: wie zusätzliche Arbeiten, die sich oft gerne mal von außen in den Sprint einschleichen, dem Projektmanagement (PM), der Geschäftsleitung / dem Kunden.
  5. Zusammenarbeit fördern: zwischen allen beteiligten Teams, zwischen den Abteilungen, zwischen den unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern und Funktionen, zwischen externen Mitarbeitern und Unternehmen.
Der ScrumMaster innerhalb des Scrum Teams

Mit den eben genannten Zielen im Hinterkopf liste ich im folgenden Abschnitt Aufgaben auf, die zur typischen Tätigkeit eines ScrumMaster zählen:

ScrumMaster Aufgaben, die sich mit denen des Projekt Managers überschneiden

  • Projekt Kick-Offs und Projekterfolge feiern
  • Team Management
  • Scrum of Scrums
  • Statusberichte
  • Issue Management
  • Ideale Arbeitsbedingungen sicher stellen
  • Für notwendige Ausstattung sorgen
  • Team-Coaching und Einzel-Coaching
  • Release Planning
  • Schätzungen durchführen
  • Sprint Zeitplan festlegen / managen
  • Release Burn Up Chart managen
  • Scope Management betreiben
  • Benötigte Kapazitäten planen und managen
  • Change Request Management
  • Product Backlog, Sprint Backlog, Burndown Chart Management
  • Kosten für (externe) Ressourcen kalkulieren und managen

Typiche ScrumMaster Aufgaben

  • Training: ScrumProzess einführen, vorführen, promoten, begleiten
  • StandUp Meetings: organisieren, durchführen, verbessern
  • Impediment Backlog: führen und eskalieren
  • Sprint Planning: organisieren, vorbereiten und managen
  • Sprint Review: organisisieren, vorbereiten und managen
  • Sprint Retrospective: organisisieren, vorbereiten und managen
  • Verbesserungen initiieren
  • Definition of Done festlegen und gegebenenfalls verbessern
  • Definition of Ready festlegen und gegebenenfalls verbessern
  • Akzeptanzkriterien: einführen, vorführen, verbessern
  • Testkriterien: einführen, automatisieren, verbessern, tracken
  • Team Wall / Scrum-Board: einführen, aufsetzen, managen, verbessern
  • Sprint Burn Down Chart: festhalten, veröffentlichen, interpretieren
  • Analysen durchführen und darauf basierend Verbesserungen einführen
  • PO und Management Support
  • ScrumProzess Management
  • Konfliktmanagement

Probleme auf die ein ScrumMaster oft stößt

Viele denken der ScrumMaster ist doch das Gleiche wie ein Projektmanager, der über das Team wacht, den Teammitgliedern sagt was sie zu tun haben. Wie und wie lange sie dafür brauchen dürfen und dafür sorgt, dass er getan wird. Das ist nicht richtig. Er überwacht nicht das Team, sondern den Scrum Prozess innerhalb des Teams. Aufgrund einzelner Aufgaben, die seine Tätigkeit mit sich bringt, stoßen ScrumMaster gerade in der Einführungsphase von Scrum im Unternehmen oft auf Probleme.

Missachtung agiler Prozesse: Der ScrumMaster bringt Struktur und Transparenz in ein Team. Er sorgt für die Einhaltung des agilen Prozesses (Durchführung der nötigen Meetings und Einhaltung der dafür eingeplanten Zeit) und stellt sicher, dass das Team die Anforderungen des Product Owner erfüllt. Gerade am Anfang von Scrum wird die Effizienz der wirklich wichtigen Meetings unterschätzt und versucht, diese wieder abzuschaffen / zu reduzieren. “Wozu denn das tägliche Standup Meeting und dazu nur 15 Minuten?” oder “Wir brauchen kein Retrospective Meeting, die Zeit sparen wir uns.” “Aber wir haben doch schon seit Jahren ein regelmäßiges Meeting aller Abteilungen, wozu sollen wir diese neue Meetings einführen?” Es gehört zur Aufgabe des ScrumMasters Scrum einzuführen und die Beteiligten mit den hierfür nötigen Prozessen und Tools vertraut zu machen.

Lösungslieferant: Der ScrumMaster ist kein typischer Projektmanager, auch wenn sich viele Aufgaben mit den Tätigkeiten des PM überschneiden. Er sagt dem Team nicht, was sie zu tun haben. Wie sie etwas zu tun haben oder wie lange sie dafür brauchen dürfen. Er sorgt mehr dafür, dass sie sich selbst organisieren und Eigeninitiative zeigen. Konkret bedeutet dass, die Team-Mitglieder erkennen selbst die Abhängigkeiten einzelner Aufgaben untereinander. Sie erkennen, dass eine Zusammenarbeit mit anderen Team-Mitgliedern / Abteilungen nötig wird, um die eigene Aufgabe abzuschließen. Sie diskutieren Lösungen, bringen sich ein, pushen sich selbst. Sie lernen nicht mehr darauf zu warten, dass Ihnen eine passende Lösung vom Projektmanager vorgestellt wird.

Unerfahrene Scrum-Team Mitglieder: Wer noch nicht viel mit Scrum zu tun hatte, ist am Anfang oft verunsichert was andere von ihm als Mitglied eines Scrum Teams erwarten. Viele sind mit den neu eingeführten Prozessen und Tools nicht vertraut. Zeigen kaum Eigeninitiative, wenig Bereitschaft zur Zusammenarbeit und keinen Mut auch mal Verantwortung zu übernehmen. Viele denken es kommt unnötige Arbeit und Mehraufwand auf sie zu. Manche haben das Gefühl überwacht zu werden, oder fühlen sich in die Schulzeit zurück versetzt, weil sie täglich Rede und Antwort stehen sollen zu: “Woran arbeitest Du heute? Was hast Du gestern getan? Siehst Du ein Problem darin Deine Aufgabe abzuschließen?” Auch ist es für einige fremd sich für eine gestellte Aufgabe zu committen und Schätzung hierzu abzugeben. Diese Probleme sind für einen erfahrenen ScrumMaster nicht neu und lösen sich in der Regel nach einiger Zeit von selbst.

Fehlender oder nicht vorhandener Product Owner: Neben dem ScrumMaster ist der Product Owner ein wichtiges Mitglied des Teams, fehlt dieser, ist dieser für Rückfragen nie greifbar oder während der Scrum Meetings (Planning Meeting, Review Meeting, Daily Scrum) nicht anwesend, hat man als ScrumMaster ein Problem (Impediment), welches es zu beseitigen gilt. Auch wenn der PO gleichzeitig mit den Stakholdern arbeiten muss hat er dafür Sorge tragen, dass solche Diskussionen außerhalb der regelmäßigen Team-Meetings stattfinden und er dem ScrumTeam dabei hilft das Sprintziel zu erreichen.

Impediments identifizieren und eskalieren lassen: Eine wichtige Aufgabe des ScrumMaster ist es Impediments (Hindernisse) zu erkennen und dafür zu sorgen, sie zu beseitigen. Ist dies nicht möglich, kann es im Notfall auch zu einer Eskalation bis in die Manager Ebene kommen. Nicht viele Unternehmer mögen es, wenn man sie gleich zu Beginn (oder überhaupt) auf Probleme, die das Projektziel gefährden hinweist. Lässt sich das Impediment nicht beseitigen muss der ScrumMaster den Mut zur Eskalation finden. Oft lassen sich bestimmte Probleme nur hierdurch Unternehmensweit deutlich machen und lösungsorientierte Handlungen erzeugen.

9 Punkte die ein ScrumMaster beachten muss

  • Der ScrumMaster muss verstehen, dass er nicht der Projektmanager ist
  • Als ScrumMaster darf man nicht im Team mitarbeiten
  • Der ScrumMaster muss das Team vor dem Management beschützen
  • Der ScrumMaster muss die Fähigkeiten des Entwicklerteams verbessern
  • Der ScrumMaster muss sicher stellen, dass das Team sein Commitment erfüllt
  • Der ScrumMaster arbeitet auch mit dem Product Owner (PO) zusammen und coacht ihn in seiner Rolle
  • Der ScrumMaster muss sicher stellen, dass das Team, wenn es mit der Lieferung der Leistungen hinterher hinkt, diese das nächste Mal erfüllt
  • Der ScrumMaster moderiert immer alle Meetings
  • Der ScrumMaster stellt sicher, dass das Product Backlog für den Sprint bereit steht

Einen ScrumMaster sorgfältig auswählen

Wer einen ScrumMaster aus seinem bestehenden Team für diese Rolle auswählt, sollte auf jeden Fall einen Interessenkonflikt vermeiden. Da der ScrumMaster neben dem Product Owner eine wichtige Rolle im Scrum Team übernimmt, sollte dieser sorgfältig ausgewählt werden und die folgenden Fähigkeiten mitbringen. Der ScrumMaster

  • sollte idealerweise eine externe Person sein, da es oft zu Komplikationen in der Ausführung der Rolle durch interne Mitarbeiter kommen kann. Vor allem wenn der ScrumMaster gleichzeitig ein Vorgesetzter ist. Nur zu leicht fallen interne Mitarbeiter in ihre ursprüngliche Rolle im Unternehmen zurück und bringen nicht die nötige Disziplin zum Durchsetzen der Scrum Prozesse und dessen Erfolg mit.
  • sollte sich mit Scrum auskennen und praktische Scrum Erfahrung mitbringen, denn ein ScrumMaster ist sowohl Coach, Mentor, Moderator und Vermittler gleichzeitig.
  • sollte vom Product Owner als auch vom ausführenden Team (Entwickler, Designer, Redakteure etc.) akzeptiert als auch respektiert werden. Sicher gibt es bei dem einen oder anderen Team ein paar Anlaufhürden zu überwinden, aber nach einiger Zeit im Team sollte sich seine Akzeptanz klar heraus kristallisiert haben.
  • sollte eine starke Persönlichkeit haben, die er vor allem bei Komplikationen und im Konfliktmanagement einzusetzen weiß.
  • sollte seine Rolle als ScrumMaster ausfüllen und nicht in die Versuchung geraten als Team Mitglied mitzuarbeiten. ScrumMaster ist eine Vollzeitaufgabe und zum anderen würde bei einer Doppelfunktion schnell ein Interessenkonflikt vorherrschen.
Scrum Rollen in der Übersicht

Sogenannte Softskills eines ScrumMasters

Und hier noch eine Liste von weiteren Fähigkeiten eines ScrumMasters. Er sollte

  • Durchsetzungs- und Einfühlungsvermögen besitzen.
  • sich selbst und andere führen und überzeugen können.
  • Prozesse managen.
  • sich nicht vor Widerstand scheuen und damit umgehen können.
  • analytisch und kreativ denken. Auch mal über den Tellerrand schauen können.
  • Entscheidungen treffen und vertreten können.

Download Rollen im Scrum Team

Die oben implementierte Grafik zeigt die wichtigsten Rollen im Scrum Team und deren Tätigkeitsbereich auf. Zum Download einer größeren Version einfach auf den folgenden Link klicken: Download Link

ScrumMaster in München

Unser Schwerpunkt liegt im Bereich agiles Projektmanagement und Qualiätsmonitoring. Unsere Experten aus München bieten ihre Leistung unter anderem als ScrumMaster und Technische Projektleiter an. Sehr gerne unterstützen wir mit unseren Leistungsspektrum Unternehmen aus München und dem Münchner Umland.

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